...nach dem Mittagessen schaute ich nach geeignetem Klebematerial und setzte mich mit allem an den Wohnzimmertisch. Lena kniete auf dem Stuhl neben mir und beobachtete alles aufmerksam. Durch die Fenster schaute uns die Natur mit herrlichem Wetter zu. Ich betrachtete die kunstvoll gestalteten Miniaturen und Zeichen auf der Baumrinde.
Auch Lena richtete jetzt mehr Aufmerksamkeit auf die Zeichen: „Kannst du das lesen?“
„Nein. Ich kenne die Buchstaben nicht. Vor einem Jahr kanntest du doch auch die Buchstaben noch nicht richtig. Da konntest du auch noch nicht lesen.“
„Wer hat das geschrieben?“
„Ich weiß nicht. Vielleicht ein Indianer“, meinte ich schmunzelnd.
Lena machte große Augen, die auch mich nachdenklich stimmten.
Erst jetzt überlegte ich etwas länger, ob es wirklich eine tiefere Bedeutung in diesen Zeichen gab? Mein Blick ging kurz hinaus zum Wald. In meiner Fantasie versuchte ich mir vorzustellen, woher diese Rinde wohl kommen mochte und wer sie wohl angefertigt hatte…
Die Baumrinde war nicht in der Mitte, sondern ungefähr im letzten Drittel gebrochen. Vorsichtig drückte ich die beiden Stücke wieder aneinander. Sie passten noch perfekt zusammen. Ich nahm den Kleber zur Hand. Schon wollte ich ihn auf die Stirnseite
am größeren der beiden Bruchstücke auftragen, da betrachtete
ich kurz die Bruchkante ganz nah von der Innenseite. Hier konnte man die Rinde und das Holz darunter gut erkennen. Plötzlich fiel mir eine Unregelmäßigkeit im Holz unter dem Schlitz auf. Da war etwas, das gar nicht aussah wie Holz. Es war nur ganz schmal und kaum zu erkennen. Ich drückte den Spalt etwas weiter mit dem Fingernagel auseinander.
„Willst du das ganz durchbrechen?“, fragte Lena.
„Nein, aber hier ist irgendetwas unter dem Spalt. Ich kann den
Spalt mit dem Fingernagel oder den Fingern aber nicht weiter
aufdrücken.“
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„Was ist da drunter?“ Lena beugte sich ganz dicht über das Kästchen.
„Ich weiß es nicht. Aber wir werden es gleich wissen.“
Ich holte schnell ein kleines schmales Messer und versuchte vorsichtig den Schlitz aufzudrücken. Das Holz knackte ein wenig. Wenn ich jetzt den Spalt noch weiter aufdrückte, musste die Rinde unweigerlich an den Rändern aufbrechen und würde eventuell beschädigt werden.
Es war mir in diesem Moment egal!
Ich drückte weiter. Und tatsächlich! Unter dem Schlitz gab es etwas, das eher nach Metall, als nach Holz aussah. Hier war offenbar die Rinde mit einer anderen Holzschicht zusammengefügt worden, aber nur an den Rändern. Dadurch entstand im Inneren,
zwischen den zwei Schichten ein Hohlraum, gleich einem Briefumschlag. Sowohl Lenas als auch meine Neugier wurde größer. Größer als die Befürchtung, das Kästchen beim Aufbrechen des Holzes noch mehr zu beschädigen. Später konnte ich die Rinde sicher wieder zusammenfügen. Also setzte ich das Messer jetzt an der Seite der Rinde an und versuchte diese am Rand von der unteren Holzschicht abzutrennen. Lena schaute gespannt zu. Nach einem beherzten Drücken brach das eine Drittel der Rinde mit leichtem Bersten am Rand des Kästchendeckels ab. Nun war der Weg frei.
„Na toll, jetzt ist es ganz kaputt“, sagte Lena leicht enttäuscht.
„Keine Angst. Wir werden alles wieder zusammenkleben“, meinte ich beruhigend, „aber jetzt wollen wir erst mal sehen, was hier versteckt ist.“
Nachdem ich das abgebrochene Stück Rinde beiseite gelegt hatte, holte ich mit einer kleinen, schmalen Zange vorsichtig den Gegenstand heraus, der sich im Inneren des Holzdeckels eingeklemmt befand.
Eine sehr dünne Metallplatte aus Messing oder ähnlichem Material tauchte vor unseren jetzt größer werdenden Augen auf. Mit starren Augen schauten Lena und ich auf das seltsame Objekt. Beide wohl sichtlich erstaunt, sahen wir wie gebannt auf das aufgemalte Motiv der Metallplatte.
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