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Die Erzählung

Das Winnetou-Puzzle Buch-Cover
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Das Winnetou-Puzzle

Verlag: Karl-May-Verlag
               Buchdetails auf Verlagswebseite
ISBN-10: 378020455X
ISBN-13: 978-3780204554
Größe: 14,8 x 21 cm
Seitenanzahl: 208
Einband: Hardcover
Ausstattung: mit Fotos/Zeichnungen des Autors
Preis: 12,90 Euro

Kurzinhalt
Ein altes wiedergefundenes Winnetou-Puzzle ohne Gesicht erinnert den Ich-Erzähler an einen wahren Freund aus der Kinderzeit. Warum verschwand damals sein Freund zusammen mit dem Puzzle und einem darin enthaltenen Schatz? Rätselhafte Kritzeleien auf der Rückseite des Puzzles lassen im Erzähler eine Fantasiegeschichte entstehen,
die er online veröffentlicht.
Doch über die Jahre entwickelt sich die ganze Geschichte zunehmend selbst zu einem Puzzle, in dem der erwachsene Erzähler immer mehr wahre und erlebte Teile findet.

Neu! Buch-Entstehungsgeschichte
Making-of (PDF 3 MB)


Inhalt - Verdichtet
1. KapitelAnfang und Ende setzt nur die Zeit,
ohne sie, steht sie, in Ewigkeit
2. KapitelFolgt die Sonne über der Buche
der Zeit ewig vorwärts,
mein Name in diesem Buche,
bleibt ewig neu im erinnernden Herz
3. KapitelIm Augenblick ist alles, und verweht wie im Wind
Und doch belohnt, geglaubt und besinnt….
4. KapitelNicht nur im Traum wir wirklich frei noch sind,
ist gut und auch die Zukunft so nicht mehr verrinnt
5. KapitelSchau hinter die Augen,
aus dem Bild aus Bildern
6. KapitelWenn auch der Sinn nicht den Sinn erkennt,
sind die Wahrheiten,
gefühlt,
doch ohne Zweifel
7. KapitelNicht vom mächtigen Reiter auf einem schnellen Pferd,
kam der tiefe Eindruck, der ewig dann wärt,
sondern von Freundschaft, Vertrauen glaubend vermehrt,
die Hand des Freundes, brüderlich geehrt
8. KapitelDie Welt von Angesicht zu Angesicht,
sieht nur der Geist, sein Werk jedoch nicht
9. KapitelScheint sich der Geist selbst bewusst zu sein,
sehn wir doch nur das Bild von ihm allein
10. KapitelDoch bilden wir mehr,
mehr als uns ein,
Gutes zu ahnen,
IST WAHRHEIT REIN

aus dem 4. Kapitel...

...doch zurück vom Traum zu dem jetzt realen WINNETOU-Puzzle, welches hier vor mir auf dem Tisch lag. Erst seit heute Morgen hielt ich es wieder in den Händen. Genauso real wie das Rehfußmesser, das alte WINNETOU Buch und die Bilder von meinem schönsten Weihnachten. Aber waren nicht auch meine Gedanken und Erinnerungen gerade ebenso real? Selbst im Alltag bildeten doch Träume, Gedanken, Hoffnungen, Wünsche oder Sehnsüchte einen festen Bestandteil meines Lebens. Und damit einen ebenso wirklichen Teil meines Daseins. All die Jahre hatte ich diesen Teil der Realität an einem unbewussten Ort in meinem Inneren verborgen gehalten. Trug ich nicht jetzt das Gefühl in mir, Traum und Wirklichkeit vereinen zu können? Plötzlich fühlte ich wieder etwas von der lebhaften Fantasie, durch die ich als Kind einmal so große Kreativität entwickelt hatte. Meine Gedanken kreuzten sich blitzartig, um sich zu ungeahnten Vorstellungen zu vereinen. Ich stellte mir vor, die Version des Puzzles, die hier vor mir neben dem Holzkästchen lag, sei genau die Version, die einmal meinem Freund gehört hatte. Ebenso konnte ja auch das alte WINNETOU Buch jenes sein, welches damals mit meinem Freund verschwand. War dieses ebenso wie auch das Puzzle über rätselhafte Wege zufällig wieder zu mir gelangt? Was, wenn es gar kein Zufall wäre?
Warum hatte mein Freund dann wohl das Gesicht aus dem WINNETOU-Puzzle entfernt? Und unseren Schatz aus Kindertagen, die goldene Spielfigur, ebenfalls?
Vielleicht wollte er mir damit eine Botschaft vermitteln. Was wollte er mir damit sagen?
Vielleicht etwas, was ich erst später erfahren durfte, weil es sonst kein Experiment mehr gewesen wäre. Oder dadurch erst recht zu einem wurde. Zu einem wirklich lebendigen. Je später ich das Puzzle wiedergefunden und zusammengelegt hätte, umso später wären mir die fehlenden Teile aufgefallen. Wenn ich es nun nie wieder zusammengelegt hätte? Dann wäre WINNETOU ohne Gesicht geblieben. Und der Schatz für immer verloren.
Ja. Das war es!
  Er wollte sehen, ob ich das Gesicht von WINNETOU zurückbringen konnte, also die fehlenden Teile und auch den Schatz wiederfinde. Ganz so, wie wir es als Kinder im Wald gespielt hatten. Meine Fantasie wuchs weiter und ich malte mir aus, die Bleistiftkritzeleien hinten auf dem Puzzle wären eine Art verschlüsselter Code aus Buchstaben. Die Kritzeleien kamen mir vor wie die kahlen Äste und Zweige des alten Kirschbaumes, welche beim Blick aus dem Fenster in Lenas Zimmer so viele Buchstaben offenbart hatten. Die wirren Kritzeleien auf der Rückseite des Puzzles erforderten sicherlich noch mehr Fantasie. Vielleicht lagen hier ja einzelne Buchstaben nebeneinander? Diese einzelnen spiralförmig angeordneten Buchstaben würden nacheinander gelesen einzelne Buchstabensequenzen bilden. Und diese wiederum bestimmte Wörter wie die folgenden:
assimilieren 5
Theodolit 15
Religiöse Dinge 54
Trapper 76
Menschenverstand 90
Urzeit 99
Sorge 127
Denkübungen 140
San Franzisco 141
Reisen 152
Phantasie 168
Wilden Westen 171
Trophäen 174
Panoptikum 246
Sioux 256
Avat-ya 283
Raubvogel 343
Spieles 402
Stimme des Herzens 450

aus dem 5. Kapitel...

...nach dem Mittagessen schaute ich nach geeignetem Klebematerial und setzte mich mit allem an den Wohnzimmertisch. Lena kniete auf dem Stuhl neben mir und beobachtete alles aufmerksam. Durch die Fenster schaute uns die Natur mit herrlichem Wetter zu. Ich betrachtete die kunstvoll gestalteten Miniaturen und Zeichen auf der Baumrinde.
Auch Lena richtete jetzt mehr Aufmerksamkeit auf die Zeichen: „Kannst du das lesen?“
„Nein. Ich kenne die Buchstaben nicht. Vor einem Jahr kanntest du doch auch die Buchstaben noch nicht richtig. Da konntest du auch noch nicht lesen.“
„Wer hat das geschrieben?“
„Ich weiß nicht. Vielleicht ein Indianer“, meinte ich schmunzelnd.
Lena machte große Augen, die auch mich nachdenklich stimmten. Erst jetzt überlegte ich etwas länger, ob es wirklich eine tiefere Bedeutung in diesen Zeichen gab? Mein Blick ging kurz hinaus zum Wald. In meiner Fantasie versuchte ich mir vorzustellen, woher diese Rinde wohl kommen mochte und wer sie wohl angefertigt hatte… Die Baumrinde war nicht in der Mitte, sondern ungefähr im letzten Drittel gebrochen. Vorsichtig drückte ich die beiden Stücke wieder aneinander. Sie passten noch perfekt zusammen. Ich nahm den Kleber zur Hand. Schon wollte ich ihn auf die Stirnseite am größeren der beiden Bruchstücke auftragen, da betrachtete ich kurz die Bruchkante ganz nah von der Innenseite. Hier konnte man die Rinde und das Holz darunter gut erkennen. Plötzlich fiel mir eine Unregelmäßigkeit im Holz unter dem Schlitz auf. Da war etwas, das gar nicht aussah wie Holz. Es war nur ganz schmal und kaum zu erkennen. Ich drückte den Spalt etwas weiter mit dem Fingernagel auseinander.
„Willst du das ganz durchbrechen?“, fragte Lena.
„Nein, aber hier ist irgendetwas unter dem Spalt. Ich kann den Spalt mit dem Fingernagel oder den Fingern aber nicht weiter aufdrücken.“
  „Was ist da drunter?“ Lena beugte sich ganz dicht über das Kästchen.
„Ich weiß es nicht. Aber wir werden es gleich wissen.“
Ich holte schnell ein kleines schmales Messer und versuchte vorsichtig den Schlitz aufzudrücken. Das Holz knackte ein wenig. Wenn ich jetzt den Spalt noch weiter aufdrückte, musste die Rinde unweigerlich an den Rändern aufbrechen und würde eventuell beschädigt werden. Es war mir in diesem Moment egal! Ich drückte weiter. Und tatsächlich! Unter dem Schlitz gab es etwas, das eher nach Metall, als nach Holz aussah. Hier war offenbar die Rinde mit einer anderen Holzschicht zusammengefügt worden, aber nur an den Rändern. Dadurch entstand im Inneren, zwischen den zwei Schichten ein Hohlraum, gleich einem Briefumschlag. Sowohl Lenas als auch meine Neugier wurde größer. Größer als die Befürchtung, das Kästchen beim Aufbrechen des Holzes noch mehr zu beschädigen. Später konnte ich die Rinde sicher wieder zusammenfügen. Also setzte ich das Messer jetzt an der Seite der Rinde an und versuchte diese am Rand von der unteren Holzschicht abzutrennen. Lena schaute gespannt zu. Nach einem beherzten Drücken brach das eine Drittel der Rinde mit leichtem Bersten am Rand des Kästchendeckels ab. Nun war der Weg frei.
„Na toll, jetzt ist es ganz kaputt“, sagte Lena leicht enttäuscht.
„Keine Angst. Wir werden alles wieder zusammenkleben“, meinte ich beruhigend, „aber jetzt wollen wir erst mal sehen, was hier versteckt ist.“
Nachdem ich das abgebrochene Stück Rinde beiseite gelegt hatte, holte ich mit einer kleinen, schmalen Zange vorsichtig den Gegenstand heraus, der sich im Inneren des Holzdeckels eingeklemmt befand. Eine sehr dünne Metallplatte aus Messing oder ähnlichem Material tauchte vor unseren jetzt größer werdenden Augen auf. Mit starren Augen schauten Lena und ich auf das seltsame Objekt. Beide wohl sichtlich erstaunt, sahen wir wie gebannt auf das aufgemalte Motiv der Metallplatte.